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Hintergrund
∎ Lesen und Schreiben lernen
∎ Individueller Erwerbsverlauf
∎ Lese-/Rechtschreibschwäche (LRS)
∎ Erfolgreiche Förderung
Im Verlauf des Schriftspracherwerbs muss sich ein Kind komplexe Fähigkeiten aneignen, um Schriftzüge zu erkennen und die grammatikalische Struktur durchdringen zu können. Es kann nicht verwundern, dass dieser Erwerbsprozess nicht allen Kindern gleichermaßen gut gelingt. Viele Kinder durchlaufen den Erwerbsprozess so schnell, dass sie schon am Ende des ersten Jahres in der Lage sind, selbstständig altersgerechte Texte verstehen und wiedergeben zu können. Andere Kinder erreichen dieses Niveau erst mit einer Verzögerung von Monaten oder Jahren. Einigen Kindern gelingt es sogar nur dann, wenn sie intensive individuelle Förderung erhalten.
Diese großen Unterschiede im Erwerbstempo zwischen Kindern treten besonders deutlich in den Ergebnissen standardisierter Tests des Lesens und der Rechtschreibung zutage, wie zum Beispiel im Lesetest ‚Knuspels Leseaufgaben‘ von Harald Marx: In der Normierungsuntersuchung dieses Verfahrens offenbarte schon ein Fünftel der untersuchten Erstklässler ein grundlegendes Verständnis für geschriebene Handlungsanweisungen. Auch wenn viele Kinder bis zur Mitte der dritten Jahrgangsstufe ebenfalls dieses Niveau erreichen konnten, offenbarte immerhin noch jeder fünfte Drittklässler ausgeprägte Schwierigkeiten. Jedes zwanzigste Kind verlässt die Grundschule, ohne ein grundlegendes Leseverstehensniveau erreicht zu haben.
Die wissenschaftliche Erforschung des Schriftspracherwerbs konnte eine Reihe von Einflussfaktoren identifizieren, die individuelle Unterschiede im Erwerbsprozess verursachen können. Neben sozialen Faktoren können sich ein geringer bewusster Zugang zur Sprache, eine wenig ausgereifte grammatikalische Kompetenz, Probleme in der Integration verschiedener Wahrnehmungskanäle und eine geringe Aufmerksamkeit im Umgang mit sprachlichen Symbolen ungünstig auf den Erwerb des Lesens und des Schreibens auswirken. Dabei ist eine Verzögerung des Erwerbsprozesses in den meisten Fällen nicht auf eine generelle Unfähigkeit oder Unlust des Kindes zurückzuführen. Vielmehr bereiten einem Kind meist nur einzelne Teilfähigkeiten Schwierigkeiten, was sich jedoch verzögernd oder hemmend auf den gesamten Erwerbsprozess auswirken kann.
Lesen und Schreiben werden oft als Schlüsselkompetenzen für einen erfolgreichen Schulbesuch angesehen, weil sie aufgrund der hohen Bedeutung der Schriftsprache in der Schule nicht nur für den Erfolg im Fach Deutsch, sondern auch in allen anderen Fächern erforderlich sind. Stellen Eltern fest, dass ihr Kind langsamer als andere Lesen und Schreiben lernt, nehmen sie dies folgerichtig als eine Bedrohung für einen erfolgreichen Schulbesuch ihres Kindes wahr. Sie befürchten, dass es ihrem Kind weniger gut als anderen gelingt, sein schulisches Leistungspotenzial auszuschöpfen. Zudem können sie nicht sicher sein, ob ihr Kind seinen verzögerten Schriftspracherwerb selbstständig aufholen kann. Denn es besteht die Gefahr, dass ihr Kind zu dem kleinen Teil der Kinder einer Jahrgangsstufe gehört, bei denen es sich bei einer Verzögerung des Erwerbsprozesses tatsächlich um ein erstes Anzeichen für eine Lese-/Rechtschreibschwäche handelt, deren Überwindung eine intensive individuelle Förderung erfordert.
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